Sie waren zehn Tage gereist, und er glaubte, sie zu kennen. Wenn sie im Zimmer waren, kannte er sie, meistens, oder wenn sie an der kastaniendunklen Bar im Hotel saßen, aber man konnte den anderen ja nicht die ganze Zeit kennen, seine Gedanken, nach denen zu fragen sinnlos war. Sie hatte nicht einmal den gutaussehenden Barkeeper wahrgenommen, so sehr war sie auf das konzentriert, woran auch immer sie dachte.
Der arme Bowman hat mit den Frauen irgendwie kein Glück, ist aber auch selbst Schuld. Hier ist unser Held Philip Bowman von Frau Nummer Eins getrennt und sehr vernarrt in die noch verheiratete Enid. Aus den beiden wird übrigens nichts. – James Salter platziert seinen Protagonisten in die Fünfziger und Sechziger Jahre. Bowman möchte als Kriegsheimkehrer ein erfülltes bürgerliches Leben führen, anfangs scheint ihm das zu gelingen, doch sein Schicksal scheint es ganz anders mit ihm zu meinen. Im Mittelpunkt: Liebe, ein bisschen Arbeit, Sex – und das alles verpackt in einer lakonischen Sachlichkeit, die ihresgleichen sucht.

Warum dieses Buch?

„Alles, was ist“ quillt über vor großen Worten. Es handelt vom Zweifeln, vom Scheitern, vom Greifen nach dem Glück und gipfelt am Schluss mit einem Riesen-Rumms. Man liebt ihn, man hasst ihn, diesen Bowman. Mal leidet der Leser mit ihm, dann lässt er ihn doch wieder ins offene Messer laufen. Aber kalt lässt Bowman sicher keinen. Im Interview mit der FAZ sagte James Salter: „Gründlich über jemanden zu schreiben bedeutet, ihn zu zerstören, zu verbrauchen.“

Lesetipp

„Alles, was ist“ ist ein Roman, der immer geht. Man kann das Buch genausogut stückeln oder – sowieso immer die schönere Variante – als Urlaubslektüre in zwei, drei Tagen lesen.

Details zu „Alles, was ist“

Obriges Zitat aus stammt aus der eBook-Ausgabe vom Berlin Verlag. Das Buch erschien 2013 unter dem Titel „All that is„; Beatrice Howeg hat übersetzt. „Alles, was ist“ ist mit 368 Seiten kein dicker Wälzer. Wer den Stil von James Salter mag, dem sei auch „Lichtjahre“ ans Herz gelegt.

Über Hella

Ich bin Hella. Mein Hobby ist angeln, Sätze angeln. Und die teile ich ab sofort auf meinem Blog. Ich lese schrecklich gerne und habe es im letzten Urlaub auf 22 Bücher gebracht. Okay, ich gebe zu, wir waren zehn Wochen auf Reisen. Wenn ich nicht lese oder reise, schreibe ich in einer Online-Redaktion in München News für Teenager. Was ich sonst noch mag: Gorgonzola, Coq au Vin, Tan Tan Men, gebratene Aubergine, Django Django, Element of Crime, Alexandra (ehrlich! voll!), Chilly Gonzales, Adam Green, Fleet Foxes, Zaz.

© Die Satzfischerin

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