Man wird älter und älter und wartet noch immer. Kämpft noch immer, mit der Welt und mit sich selbst, und das Erhabene, es will nicht kommen.
Thomas Glavinic schickt seinen Protagonisten Jonas in „Das größere Wunder“ auf eine riskante Mount-Everest-Besteigung. Hier blickt Jonas auf sein noch gar nicht so langes Leben zurück und versucht, seine eigenen Grenzen zu überschreiten, um zu sich selbst zu finden. Klingt nach einer großen Geschichte, vielleicht eine, die ein bisschen zu groß ist? Stimmt. „Das größere Wunder“ ist durchaus ein mainstreamiger Findungs-Roman, der den Leser aber am Ende recht glücklich zurück lässt. Zur Geschichte: Jonas und sein Zwillingsbruder Mike werden von der alkoholsüchtigen, allein erziehenden Mutter stark vernachlässigt. Als deren Freund Jonas übel verprügelt, nimmt sich Picco der Jungen an. Picco, das ist „der Boss„, Großvater und Ziehvater von Jonas bestem Freund Werner und Schlüsselfigur im Roman. Der Boss ist in zwielichtige Geschäfte verwickelt und verfügt über unfassbar viel Geld. Sein Credo:
Antworten werden überschätzt.
Der Boss lässt die drei Jungen mit allen Freiheiten aufwachsen und erkennt in Jonas einen ganz besonderen Jungen. Während der erwachsene Jonas im Himalaya um sein Leben kämpft, erzählt Thomas Glavinic in Rückblicken, wie Jonas, Mike und Werner groß werden. Mit ungeheuerlichen Lichtblicken, mit tragischen Ereignissen und mit vielen Momenten, die einem waschechten Märchen entsprungen zu sein scheinen.

Warum „Das größere Wunder“?

Das größere Wunder“ lässt sich wunderbar leicht lesen, ist spannend, unterhaltsam. Ganz ehrlich: Ein großer Roman, der in die Weltliteraratur eingehen wird, ist „Das größere Wunder“ nicht. Beim „Deutschlandfunk“ wird das Buch gar als „Totalabsturz“ bezeichnet. Manchmal möchte man den Autor schütteln und ihn anflehen: Bitte trag nicht so dick auf, bitte einen Gang zurückschalten, MACH ES JETZT NICHT KAPUTT. Und doch: Als ich das Buch durchgelesen hatte, musste ich kurz seufzen. Der Roman mit märchenhaften Zügen hat mir an vielen Stellen Herz klopfen bereitet und es hat Spaß gemacht. Darf ja auch mal sein.  

Lesetipp

Verlasse dich bei diesem Buch nicht auf den Klappentext (dtv Ausgabe). So eine unpassende Zusammenfassung habe ich selten gelesen. Es wird beschrieben, dass Jonas rastlos die Welt durchwandert – bis er seine große Liebe Marie trifft. Tatsächlich nimmt dieser Part der Geschichte nur einen verhältnismäßig kurzen Raum ein. Vielmehr stehen Kindheit, Jugend und eben die Mount-Everest-Besteigung im Mittelpunkt.  

Details zu „Das größere Wunder“ von Thomas Glavinic

Der Roman des Grazer Autors erschien 2013 im Hanser-Verlag. Ich beziehe mich auf die 4. Auflage 2016 vom dtv. Das Buch hat knapp über 500 Seiten (Lesezeit: eine ICE-Fahrt München-Hamburg, Hamburg-München).   Aufs Bild unten klicken und das Buch bei Amazon kaufen.   Noch eine Empfehlung!? Von einem Roman, der wirklich gut ist? Dieses Buch kann ich wirklich uneingeschränkt jedem ans Herz legen!  

Über Hella

Ich bin Hella. Mein Hobby ist angeln, Sätze angeln. Und die teile ich ab sofort auf meinem Blog. Ich lese schrecklich gerne und habe es im letzten Urlaub auf 22 Bücher gebracht. Okay, ich gebe zu, wir waren zehn Wochen auf Reisen. Wenn ich nicht lese oder reise, schreibe ich in einer Online-Redaktion in München News für Teenager. Was ich sonst noch mag: Gorgonzola, Coq au Vin, Tan Tan Men, gebratene Aubergine, Django Django, Element of Crime, Alexandra (ehrlich! voll!), Chilly Gonzales, Adam Green, Fleet Foxes, Zaz.

© Die Satzfischerin

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